Industrial Ethernet erreicht 79 % der neuen Netzwerkknoten

Artikel vom 30. Juni 2026
Industrial Ethernet

HMS Networks sieht Industrial Ethernet 2026 bei 79 % der neu installierten Knoten. Die Marktanalyse zeigt: Feldbusse verlieren weiter, Wireless bleibt stabil und Themen wie OT-Cybersicherheit.

Bild: HMS.

Bild: HMS.

Die jährliche Marktanalyse von HMS zu industriellen Netzwerken zeigt den weiteren Wechsel von klassischen Feldbustechnologien hin zu Industrial Ethernet. In der Fabrikautomation entfallen inzwischen 79 % aller weltweit neu installierten Knoten auf diese Netzwerktechnologie. Im Vorjahr lag der Anteil bei 76 %, 2015 waren es 34 %.

Nach der Abschwächung im Jahr 2024 hat sich der Markt 2025 laut der Marktanalyse wieder stabilisiert. Die Verfügbarkeit von Komponenten hat sich normalisiert, Lagerbestände in stark automatisierten Branchen wurden weitgehend abgebaut. Zwar stand der europäische Automobilsektor weiter unter Druck, insgesamt erholte sich der Markt aber leicht. Investitionen in neue Automatisierungsprojekte wurden in den meisten Regionen wieder aufgenommen. HMS Networks erwartet für neu installierte Knoten in den kommenden fünf Jahren ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 7,7 %.

Ethernet-Protokolle legen weiter zu

Die drei führenden Ethernet-Protokolle konnten ihre Position ausbauen und stehen zusammen für rund drei Viertel des kabelgebundenen Protokollmarktes. Profinet erreicht 30 % nach 27 % im Vorjahr. Ethernet/IP folgt mit 25 % nach zuvor 23 %. Ethercat wächst auf 20 % nach 17 % im Jahr 2025. Modbus TCP bleibt stabil bei 5 %, CC-Link IE bei 3 %. Powerlink sinkt von 3 auf 1 %. Weitere Ethernet-Protokolle kommen zusammen auf 2 %. Das deutet auf eine anhaltende Konsolidierung rund um die führenden Netzwerke hin.

Feldbusse verlieren weiter an Bedeutung

Feldbustechnologien machen nur noch 14 % der neu installierten Knoten aus. Im Vorjahr waren es 17 %. Profibus bleibt innerhalb dieses Segments mit 4 % zwar der größte Standard, verliert aber weiter an Boden. Modbus RTU hält sich bei 3 % und bleibt damit ein verbreitetes serielles Protokoll. CC-Link, Devicenet sowie CAN/CANopen bewegen sich jeweils im Bereich von 1 bis 2 % – mit leicht rückläufiger Tendenz. Weitere Feldbus-Protokolle kommen laut der Analyse zusammen nur noch auf 2 % nach 4 % im Vorjahr.

Drahtlose Technologien bleiben mit 7 % auf dem Niveau von 2025. Sie ergänzen kabelgebundene Netzwerke primär bei mobilen Anwendungen wie fahrerlosen Transportsystemen und autonomen mobilen Robotern, bei nachgerüsteten Maschinen sowie bei IIoT-Sensoren an schwer zugänglichen Stellen. 5G bleibt ein viel diskutiertes Thema, wird in der Industrie aber weiter langsam eingeführt. Als häufige Hürde gilt die Komplexität privater 5G-Infrastrukturen. Erste Anwendungen nehmen insbesondere in Asien zu, ein breiter Durchbruch ist bislang jedoch ausgeblieben.

Regionale Entwicklungen und neue Schwerpunkte

In Europa liegen Profinet und Ethercat weiter vorn. Gleichzeitig nehmen Aktivitäten rund um APL für die Prozessautomatisierung und SPE für sensornahe Konnektivität zu. Der Rückgang von Profibus zeigt sich hier besonders deutlich, da die installierte Basis groß und die Umstellung auf Profinet weit fortgeschritten ist.

In Nordamerika bleibt Ethernet/IP das prägende Protokoll, hauptsächlich in der Automobilindustrie und der diskreten Fertigung. IO-Link, APL und SPE gewinnen an Dynamik. Hinzu kommt ein wachsendes Interesse an OT-Cybersicherheit, auch vor dem Hintergrund regulatorischer Entwicklungen rund um den Cyber Resilience Act und IEC 62443. In Asien setzen Profinet und Ethercat ihren Wachstumskurs in China fort. CC-Link IE behauptet zugleich seine starke regionale Position.

Mit der zunehmenden Ethernet-Basis verschiebt sich die Diskussion: Neben der Protokollfrage rücken funktionale Sicherheit, Cybersicherheit, TSN, OPC UA, Single Pair Ethernet und IT/OT-Konvergenz stärker in den Mittelpunkt.

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