Präzisionswerkzeuge: Rückblick 2019 und Ausblick 2020

Artikel vom 14. Februar 2020
(Präzisions-)Werkzeuge allgemein

Am 15. Januar 2020 gab der VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge im Rahmen seiner jährlichen Pressekonferenz einen Rückblick auf das Jahr 2019 sowie einen Ausblick für 2020. Der im Juni 2019 neugewählte Vorsitzende Stefan Zecha verkündete einen Rückgang bei der Produktion von Präzisionswerkzeugen von 7 % und erwartet eine unterschiedliche Entwicklung bei den Anwenderbranchen.

Der Fachverband Präzisionswerkzeuge im VDMA gab Mitte Januar die aktuellen Zahlen bekannt. Bild: Kuhn

Der Fachverband Präzisionswerkzeuge im VDMA gab Mitte Januar die aktuellen Zahlen bekannt. Bild: Kuhn

Grafik: VDMA

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Gesamtbranche

Mit dem prognostizierten Umsatzrückgang von 7 % erwartet der Fachverband einen Branchen-Gesamtumsatz von rund 10,4 Mrd. Euro für das Jahr 2019. Dabei entwickelten sich insbesondere der deutsche und der chinesische Markt viel schlechter als erwartet. Auch das Geschäft in den USA sei insgesamt unter dem Vorjahresniveau geblieben, so Zecha.

Auch die Anwenderbranchen entwickelten sich unterschiedlich. Insbesondere die deutlich geringere weltweite Pkw-Produktion, aber auch der Strukturwandel und die generelle Investitionszurückhaltung in der Automobilindustrie zeigten ihre Auswirkungen. Auch im Maschinenbau gingen die Umsätze zurück, aber geringer als in der Automobilindustrie. Die Umsätze in den Branchen Medizintechnik und Luftfahrt legten leicht zu.

Stefan Zecha (li.), Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, und Gerhard Knienieder (re.), Vorsitzender der Fachabteilung Gewindewerkzeuge. Bilder: Kuhn

Stefan Zecha (li.), Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, und Gerhard Knienieder (re.), Vorsitzender der Fachabteilung Gewindewerkzeuge. Bilder: Kuhn

Zecha konnte noch keinen positiven Ausblick für 2020 geben. Aktuell würden in den Betrieben noch Zeitkonten zurückgefahren, Kurzarbeit sei bei in vielen Betrieben zumindest in Planung. Eine Belebung der Nachfrage wird frühestens für das zweite Halbjahr erwartet, insgesamt soll das Jahr 2020 jedoch noch einmal unter Vorjahresniveau liegen.

Zerspanwerkzeuge

Gerhard Knienieder, Vorsitzender der Fachabteilung Gewindewerkzeuge, zeigte für die Zerspanwerkzeuge auf, dass die Auftragseingänge und Umsätze 2019 nachgaben und unter den sehr starken Vorjahresvergleichswerten lagen. Insgesamt gehe der Verband davon aus, das Jahr 2019 mit einen Absatzminus von 4 % bei den Zerspanwerkzeugen abzuschließen. Von den 10 größten Exportmärkten konnten nur in den USA und Polen leichte Zuwächse erreicht werden. Alle anderen Länder fragten weniger Zerspanwerkzeuge nach. Insgesamt seien die deutschen Exporte von Zerspanwerkzeugen um 5 % gesunken.

Die Entwicklung bei den Anwenderbranchen sei 2019 unterschiedlich gewesen: einer z.T. deutlichen Abschwächung in Automobilindustrie und Maschinenbau standen gestiegene Umsätze in den Branchen Medizintechnik und Luftfahrt gegenüber.

Die Aussichten für das Jahr 2020 seien insbesondere für den Maschinenbau eingetrübt. In der Medizin‐ und der Luftfahrtbranche werde ein konstantes oder leicht stärkeres Geschäft erwartet. Die Erwartung an den deutschen Markt sei für 2020 düster. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen erwarte einen weiteren kräftigen Rückgang. Für 2020 rechnet der Verband bei den Zerspanungswerkzeugen daher insgesamt mit einem Absatzrückgang um 5 %.

Die Zeit der übervollen Arbeitszeitkonten sei 2019 zu Ende gegangen, nur noch jedes fünfte Unternehmen agiere mit normalen Arbeitszeiten. Aktuell würden Arbeitszeitkonten zurückgeführt, aber einige Unternehmen mussten bereits Ende 2019 mit Kurzarbeit operieren. Aufgrund der anhaltenden Nachfrageschwäche dürfte das Instrument flexibler Zeitkonten vielfach nicht mehr ausreichen und es sei in den kommenden Monaten mit einer erheblichen Ausweitung der Kurzarbeit zu rechnen. Ein großer Anteil der Branche gehe sogar davon aus, seinen Personalbestand zumindest leicht reduzieren zu müssen.

Spannzeuge

Der Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge Peter Tausend gab für das Jahr 2019 ein Umsatzminus von 9 % bekannt. Im ersten Halbjahr profitierte die Branche noch von den Auftragsüberhängen des außerordentlich erfolgreichen Vorjahres, gefolgt von einem starken Umsatzrückgang im zweiten Halbjahr.

Bei den Kundenbranchen deckte sich die Entwicklung mit der bei den Zerspanwerkzeugen: Die Umsätze mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau waren rückläufig, das Geschäft mit der Medizintechnik war überwiegend konstant und die Luftfahrt konnte leicht zulegen.

Peter Tausend (li.), Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge, und Marco Schülken (re.), Vorsitzender der Fachabteilung Werkzeugbau. Bilder: Kuhn

Peter Tausend (li.), Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge, und Marco Schülken (re.), Vorsitzender der Fachabteilung Werkzeugbau. Bilder: Kuhn

Für das Jahr 2020 rechnet der Fachverband für die Spannzeuge mit einem Umsatzrückgang von 7 %. Etwa die Hälfte der Unternehmen plane zumindest in Teilbereichen mit Kurzarbeit. Auch bei den Spannzeugen werde sich die Zahl der Beschäftigten voraussichtlich nicht halten lassen. Jedes zweite Unternehmen sehe sich gezwungen, den Personalbestand anzupassen.

Werkzeugbau

Im Jahr 2019 musste der Werkzeugbau einen deutlichen Nachfragerückgang verbuchen, so Marco Schülken, Vorsitzender der Fachabteilung Werkzeugbau. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Rückgang von 8 %. In allen bedeutenden Absatzregionen war die Umsatzentwicklung überwiegend schwächer. Der Heimatmarkt, der im Werkzeugbau eine viel höhere Bedeutung hat als in den beiden anderen Bereichen, sei durch die extrem gesunkene Nachfrage insbesondere der Automobilindustrie deutlich geschrumpft. Auch für Nord- und Südamerika wurden deutliche Rückgänge verzeichnet.

Auch die Betrachtung der Anwenderbranchen falle negativ aus: deutliche Rückgänge im Maschinenbau und in der Luftfahrtindustrie, überwiegend sowie leichte Rückgänge in der Medizintechnik. Die Kunststoffindustrie sei – ähnlich wie die Automobilindustrie – in einem Umbruch.

Für das Jahr 2020 werden rückläufige Umsätze erwartet. Insgesamt werde erwartet, dass der Umsatz noch einmal um 7 % falle. Auch im Werkzeugbau reduziere im Moment rund die Hälfte der Unternehmen ihre Arbeitszeitkonten. Für 2020 werde auch hier Kurzarbeit ein Thema werden bzw. bleiben. Ein Personalabbau sei tendenziell in weniger Betrieben zu erwarten als in den anderen beiden Teilbranchen, aber auch im Werkzeugbau werde man voraussichtlich den aktuellen Beschäftigungsstand nicht halten können.

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