Verband sieht Auswege aus dem »historischen Konjunkturtief« für die Zulieferindustrie

Artikel vom 8. Dezember 2020
Sonstige Dienstleistungen / Verbände

Corona-Krise und der Strukturwandel im Automobilbereich lassen die Zulieferindustrie stärker als bisher prognostiziert schrumpfen. Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie sieht Auswege.

Fordert die strategische Begleitung der Industrie durch die Politik: Hermann Rumpel, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Drehteile-Industrie (Bild: FMI).

Fordert die strategische Begleitung der Industrie durch die Politik: Hermann Rumpel, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Drehteile-Industrie (Bild: FMI).

Laut Hermann Rumpel, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie im Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI), müsse jetzt schnell auf die Herausforderungen reagiert und gezielt gehandelt werden. Damit spricht er nicht nur die Unternehmen selbst an, sondern auch die Politik. »Wir müssen nicht nur die Elektromobilität neu bewerten, sondern vor allem weg von der ›Geiz ist Geil‹-Mentalität und die Produktion wieder verstärkt zurück nach Deutschland und Europa holen«, wird er in einer Pressemeldung des Verbands zitiert.

Unternehmen sollten ihre Beschaffungsstrategie unter Betrachtung der wirklichen Gesamtkosten der Teile und der Umweltbelastung neu bewerten. Dieser Fokus gebe lokalen Lösungen den Vorzug, auch wenn Unternehmen Aufträge bisher aus Kostengründen ins außereuropäische Ausland verlagerten, so der Verbandspräsident. Dieses Reshoring bringe aus seiner Sicht mehr Vor- als Nachteile, und die europäische Wirtschaft profitiere mit:

  • Arbeitsplätze in Europa blieben erhalten,
  • der Abfluss von Know-how werde verhindert,
  • Lieferketten würden beherrschbarer, Produktionsstillstände unwahrscheinlicher,
  • Lagerkosten würden sinken und
  • die kürzeren Wege schonten Klima und Umwelt.

Rumpel rät Unternehmen außerdem zur Zusammenarbeit. Hier helfe zum Beispiel der Austausch in Verbänden. »Die Unternehmen müssen sich auf ihre Stärken besinnen, sich breit aufstellen und immer die Zukunft im Blick behalten«, sagt der Verbandsvorsitzende. Es sei wichtig, die Ausbildung zu intensivieren, damit auch künftig genug gut geschultes und motiviertes Fachpersonal zur Verfügung stehe. Damit Unternehmen zukünftig schneller und flexibler reagieren können, empfiehlt Rumpel auch, die Digitalisierung in der Lieferkette voranzutreiben.

Forderungen an die Politik

»Die Zulieferindustrie kann sich nicht aus eigener Kraft aus dem historischen Konjunkturtief befreien«, sagt Rumpel. Deshalb sieht der Drehteileverband die Politik in der Pflicht und fordert eine strategische Begleitung der Industrie. »Neben einem Konjunkturprogramm für die Post-Corona-Zeit brauchen wir eine neue Industriepolitik und Investitionen in die Infrastruktur«, sagt der Vorsitzende. Dazu gehören der Ausbau von Verkehrswegen und Kommunikationsnetzen, eine Anpassung und Angleichung der Steuerpolitik im europäischen Umfeld sowie der Abbau und die Vereinfachung von bürokratischen Hürden wie beispielsweise der A1-Bescheinigung oder der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

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